Besuch der Sternenwarte im März 2017

Ursula Boesenberg erklärt den Vorschulkindern den Kompass und hält dabei einen Magneten in der Hand, vor ihr der Versuchsaufbau mit einer mit Wasser gefüllten Schale auf einem Stuhl.
Ununterbrochen regnete es, als die Autos mit den Vorschulkindern der katholischen Kindertagesstätte St. Margareta um 18.30 Uhr auf dem dunklen Parkplatz an der Sternwarte in Langenhain ankamen.
Vorschulkinder und Eltern liefen mit Regenschirmen und Licht ausgestattet zu dem Holzgebäude durch den aufkommenden Nebel. Hier empfing sie Ursula Boesenberg, die seit mehr als 30 Jahren zum Verein der Sternwarte gehört und mit Besuchergruppen in die Faszination des Weltalls eintaucht.
„War schon jemand von euch hier?“, war ihre Frage, nachdem die zwölf Mädchen und Jungen mit ihren Eltern und Erzieherin Marion Grimm in dem langgezogenen Raum mit beeindruckendem Sternenzelt in der Mitte und Planeten und Bildern von Galaxien an den Wänden Platz genommen hatten. Da es für alle eine Premiere war, deutete sie auf ein Foto an der Wand, das Physiklehrer Hermann Minor zeigte. Seine Schüler wollten mehr über die Sterne wissen, und so gründete er nicht nur eine Schüler-AG, sondern auch den Sternwarten-Verein.
Anfangs lag die Sternwarte noch in Diedenbergen, doch dort wurde es wegen der Nähe zum Frankfurter Flughafen zu hell. Ein passendes Grundstück musste gefunden werden, ein Platz, an dem es nachts dunkel ist. „Aber warum?“, fragte Ursula Boesenberg die Kinder. „Weil man die Sterne dann besser sehen kann“, war die richtige Antwort. So kam die Sternwarte nach Langenhain, wo sie von Vereinsmitgliedern selbst gebaut wurde, fuhr sie fort. Die damaligen Schüler seien heute etwa 50 Jahre alt und gehörten zu den mittlerweile 80 Mitgliedern der Sternwarte. Etwa Zwei- bis Dreitausend Besucher zähle die Sternwarte im Jahr.
„Habt ihr im Kindergarten schon über Sterne gesprochen?“ „Heute morgen“ antwortete Maximilian, der sich in der letzten Zeit sehr für das Weltall interessierte, wie seine Mutter Sabrina berichtete. Die zweite Vorsitzende des Fördervereins hörte sich um, fand die Hofheimer Sternwarte und organisierte den zusätzlichen Ausflug für die Vorschulkinder der Bremthaler Kindertagesstätte.
„Kennt ihr den Unterschied zwischen Sternen und Planeten? Und warum sind die Sterne tagsüber nicht zu sehen?“ „Weil die Sonne viel heller ist“, antwortete die fünfjährige Priya. Die Leiterin der Sternwarte erklärte anschaulich die Planeten des Sonnensystems, wie lange sich die Erde um die Sonne dreht, was Anziehungskraft bedeutet, wie stark sie auf den einzelnen Planeten ist und wie ein Kompass funktioniert. Hierfür rieb Ursula Boesenberg eine Nadel über einen Magneten und legte ihn auf Styropor und dann auf Wasser. Die Kinder traten fasziniert an die Schale Wasser heran und staunten über die Nadel, die nach Norden zeigte.
Mit dem Sternbild des großen Bären verbindet Ursula Boesenberg eine persönliche Geschichte. Ihr Vater, der in Kriegsgefangenschaft war, flüchtete nachts, orientierte sich an dem großen Sternbild, das zum Polarstern führt, und fand den Weg nach Hause, erzählte die 82-Jährige. Den Kindern zeigte sie, dass das Hinterteil des großen Bären der große Wagen ist und erklärte, dass der Schwanz des großen Bären deshalb so lang sei, weil der Sage nach Gott Zeus den Bären am Schwanz griff und in den Himmel schleuderte.
„Wo ist das Fernrohr?“, kam es schließlich aus der munteren Runde. Jetzt wollten es die Mädchen und Jungen wissen. Die Gruppe setzte sich in Bewegung, ging nach oben und betrat das „Herzstück“ der Sternwarte, in der sich drei Teleskope befinden, die weit ins Weltall blicken lassen. Jedoch nicht an diesem Abend. Die Kinder wechselten sich zwar an der Kurbel ab und fuhren das Dach ein kleines Stück nach hinten, so dass der Abendhimmel sichtbar wurde, die dicken Wolken und Regentropfen ließen jedoch nichts weiter zu. „Bei klarem Himmel öffnen wir samstags ab 20 Uhr oder im Sommer nach Einbruch der Dunkelheit die Sternwarte. Dann könnt ihr noch einmal herkommen.“ Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Weitere Informationen gibt es auf der Webseite www.sternwarte-hofheim.de.  pw

© Kath.Eppstein 2015