Meins wird deins - St. Martin-Sammelaktion für Flüchtlinge November 2015

"Alle Kinder, die allein sind, kommen mit mir nach draußen, alle Kinder mit ihren Müttern stellen sich draußen auf die linke Seite, damit wir gleich geordnet losgehen können", gab Erzieherin Sabine Klug in der katholischen Kindertagesstätte St. Margareta die letzte Anweisung. Montagmittag um 14 Uhr zog die Gruppe, bestehend aus drei Erzieherinnen, einigen Kindergartenkindern, Müttern und einem Bollerwagen voll von gesammelten Spenden los in die Robert-Koch-Straße in Bremthal, wo seit diesem Sommer Asylanten, Familien mit Kindern und eine schwangere Frau mit ihrem Mann, in einem Wohnhaus untergebracht sind.

Vor etwa zwei Wochen hatte Erzieherin Sabine Klug zu der Sammelaktion für Flüchtlingskinder in Bremthal aufgerufen, die ganz im Sinne der St. Martinsgeschichte steht. Die Kinder selbst hatten sie auf die Aktion gebracht, erklärte Sabine Klug. Sie kamen bei einem Frühstück auf das Thema Teilen, was man teilt und mit wem man etwas teilen kann. Zwei Kinder wussten auch etwas über Flüchtlinge und so kam schnell der Gedanke, Spielzeug zu teilen, es zu spenden. 

Da für die Kinder gespendet werden sollte, erkundigte sich Sabine Klug bei Hilde Picard vom Asylkreis Eppstein, wo Flüchtlingskinder wohnen und erhielt den Kontakt von Cäcilie Daus-Speicher und Michael Speicher. Beide sind sogenannte Hauszuständige und kümmern sich um die Asylanten in der Robert-Koch-Straße in Bremthal. Hier wohnen zur Zeit 17 Personen unter einem Dach, eine syrische Familie mit drei Söhnen, eine albanische Familie mit einem Kind, eine weitere albanische Familie mit ebenfalls zwei Töchtern und einem Sohn, eine äthiopische Familie, die in 10 Tagen ein Kind erwartet und zwei syrische Männer im Alter von 18 und 40 Jahren. Dabei teilen sich die jeweiligen Familien meistens nur ein Zimmer, erklärte Cäcilie Daus, und für den Großteil gibt es nur eine Gemeinschaftsküche.

Viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen mit verschiedenen Sprachen, hier gebe es immer etwas zu tun, bestätigte Michael Speicher, gehe es um das tägliche Miteinander, um eine mögliche Hausordnung, Behördengänge oder das Ausfüllen der unterschiedlichsten Formulare. Ein Junge besucht mittlerweile die Kindertagesstätte in der Waldallee, eine albanische Frau helfe beim Friseur in Alt-Eppstein, die älteren Jungen könnten nun beim Sportverein mitmachen. Das hilft bei der Integration, "sie kommen raus und können Kontakte knüpfen", weiß Michael Speicher.

Der äthiopische, werdende Vater hat gerade einen Intensiv-Deutsch-Kurs in Hofheim begonnen. Trotzdem sind die sprachlichen Hürden noch sehr groß, besonders wenn Cäcilie Daus an die bevorstehende Geburt denkt. Eine ehrenamtliche Hebamme fehle noch, die Mutter und Kind nach der Geburt regelmäßig betreuen könnte, und eine Übersetzerin, die die Geburtshilfe unterstützen könnte, sprechen Mutter und Vater amharisch, und nur ein wenig Englisch.

Den Kindergartenkindern machte die sprachliche Hürde nichts aus. Sie sangen zuerst die Geschichte des Bettlers und St. Martins und benutzten dabei Gesten. Danach verteilten sie die Spenden an die jeweiligen Familien. Die syrische Familie hatte extra für den Anlass ihre Betten aus dem Wohn-/Schlafraum gestellt, Muffins gebacken und bat die Gruppe hinein. Sie verteilten das Gebäck und versorgten alle mit Apfelsaft bis sich schließlich alle mit vielen Eindrücken und einer guten Erfahrung wieder auf den Rückweg machten.

© Kath.Eppstein 2015